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Verliert Europa den Anschluss, während Finanzdienstleister rund um den Globus ihre Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) erhöhen?

Künstliche Intelligenz (KI) wird die Zukunft von Banken und Versicherungen prägen - das ist die Schlussfolgerung der von der  Economist Intelligence Unit (EIU) durchgeführten Studie „Der Weg nach vorn: Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Finanzdienstleistungen“. Die Studie analysiert die Ansichten von 200 Geschäftsführern und Vorständen bei Investmentbanken, Privatkundenbanken und Versicherungsgesellschaften in Nordamerika, Europa und im asiatisch-pazifischen Raum hinsichtlich der Chancen und Herausforderungen, die KI bietet. Die Befragten erwarten, dass KI ihr Geschäft in den nächsten fünf Jahren auf unterschiedliche Weise verändern wird, einschließlich der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (27 Prozent), der Erschließung neuer Märkte oder Branchen (25 Prozent) und als Wegbereiter für Innovationen (25 Prozent).

Bleibt jedoch die Frage, ob alle Regionen gleichermaßen von KI profitieren werden oder ob einige Regionen besser positioniert sind als andere. Die Studie ergab, dass zwar ein hohes Maß an Vertrauen in die Vorteile von KI besteht, die Technologie aber nicht in großem Umfang genutzt wird: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass KI nicht in die Prozesse und Angebote des Unternehmens integriert ist und nur 15 Prozent die Technologie in der gesamten Organisation umfassend nutzen. Besonders Europa ist im Rückstand. Während 61 Prozent aller APAC-Befragten berichteten, dass die Hälfte oder mehr ihres Arbeitspensums von KI unterstützt wird, waren es in Europa nur 41 Prozent - das sind ganze 20 Prozent weniger! 

Was hält die europäischen Finanzdienstleister zurück?  Die niedrige Nutzungsrate in Europa ist zum Teil ein Reporting-Problem: Fast 10 Prozent der europäischen Befragten hatten entweder keine Kennzahlen, um den Erfolg der KI-Anwendung zu messen, oder sie wurden nicht lange genug erfasst. Im Gegensatz dazu verfügten alle APAC-Befragten über funktionale Kennzahlen für das Reporting. Auch die Weiterbildung der Mitarbeiter ist ein Thema. Besonders hervorzuheben ist, dass in APAC Umschulungs- und Weiterbildungsinitiativen Vorrang haben. 75 Prozent der APAC-Befragten und 59 Prozent der Befragten in Nordamerika erwarten in den nächsten fünf Jahren eine verstärkte Investition in Mitarbeiter, damit diese mehr KI-Fähigkeiten erlernen und mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet werden. Europa liegt in diesem Bereich deutlich zurück, nur 37 Prozent planen eine Erhöhung der Investitionen in Fortbildungsmaßnahmen.

Trotz der bisher relativ langsamen Adoptionsraten bleibt das Versprechen der KI klar: 86 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den nächsten fünf Jahren eine Erhöhung der KI-bezogenen Technologieinvestitionen planen. Allerdings hinkt Europa auch hier hinterher. Während die APAC-Region sich am optimistischsten in Bezug auf Pläne für KI-bezogene Technologieinvestitionen äußerte - 90 Prozent der Befragten in APAC gaben an, dass sie in den nächsten fünf Jahren entsprechende Investitionen planen - sagten dies in Europa nur 75 Prozent - ganze 15 Prozent weniger! 

Ein Motiv dafür könnte der Fachkräftemangel sein - das Fehlen von geeignetem Fachpersonal wurde von den europäischen Befragten noch vor den Kosten als das Haupthindernis für eine breitere Einführung oder Nutzung von KI genannt. Da es den europäischen Finanzdienstleistungsunternehmen an Investitionen in die Weiterbildung mangelt, wird sich dieses Problem in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch verschärfen. In der Region ist man sich zumindest darüber im Klaren, dass ein Wandel stattfinden muss - 49 Prozent der europäischen Befragten antworteten, dass sie die Einführung entsprechender technischer Weiterbildungsprogramme für Mitarbeiter planen, um das Wissen über und die Anwendungen von KI zu verbessern.

Es sind nicht die fehlenden Fachkräfte allein, die die europäischen Finanzdienstleistungsunternehmen zurückhalten. Auch das regulatorische Umfeld ist eine Ursache. Regulatorische Herausforderungen wurden vor allem von den europäischen Befragten als ein Risiko genannt. Tatsächlich empfanden dies in Europa doppelt so viele als eine Herausforderung (32 Prozent) wie in APAC (16 Prozent).

Nichtsdestotrotz ist sich die Finanzdienstleistungsbranche der Vorteile einer breiteren Einführung von KI bewusst. Verbesserter personalisierter Kundenservice und Kundenzufriedenheit, stärkere Nutzung von prädiktiven Analysen und niedrigere Betriebskosten wurden in Europa als wichtigste Vorteile genannt. Da KI weiter an Bedeutung gewinnt und die globale Finanzlandschaft verändert, ist es entscheidend, dass europäische Organisationen nicht ins Hintertreffen geraten. Die Gefahr einer grundlegenden Störung ist klar. Ohne eine Erhöhung der Investitionen sowohl in KI-Technologien als auch in die Weiterbildung setzen sich die europäischen Banken und Versicherer selbst einem Risiko aus. Diejenigen hingegen, die dies tun, werden sich jedoch nicht nur von der Konkurrenz absetzen, sondern auch bedeutende Wachstumsmöglichkeiten erschließen.

Wie unser CEO Sudheesh Nair kürzlich sagte: „Wir sehen bereits die massiven Auswirkungen, die KI auf die Geschäfte der Finanzinstitute hat, indem sie Kosten reduziert, vor allem aber neues Wachstum fördert. Die rasant ansteigenden Adoptions- und Qualifizierungsraten von KI sind ein klarer Vorläufer der KI-Revolution, die sich in den nächsten fünf Jahren abspielen wird. KI ist der neue Wachstumsmotor, aber der Schlüssel zur Erschließung des KI-Potenzials erfordert Investitionen in Talente. Finanzdienstleistungsunternehmen müssen Mitarbeiter ausbilden und weiterqualifizieren, um die durch KI ermöglichten Produktivitäts- und Innovationsgewinne zu nutzen.“

Angesichts der erwarteten Vorteile von KI und der großen Diskrepanz zwischen Europa und dem Rest der Welt ist die Botschaft, die die Studie des Economist für die Finanzdienstleistungsbranche in Europa hinterlässt, klar: Es ist jetzt an der Zeit, in KI zu investieren, wenn man in Zukunft nicht den Anschluss verlieren will.

Die vollständige Studie „Der Weg nach vorn: Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Finanzdienstleistungen“ steht unter zum Download bereit.

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